Manche Kuchen schmecken nach Zuhause, auch wenn man sie zum ersten Mal backt. Bei diesem Thüringer Apfelkuchen geht es mir genau so. Wir kommen zwar nicht aus Thüringen, aber knuspriger Mürbeteig, Äpfel mit Zimt und obendrauf eine cremige Schicht Schmand bringen mich sofort an Omas Kaffeetafel. An Feiertagen und Geburtstagen standen dort immer mehrere Kuchen, und alles wurde extra klein geschnitten, damit jeder von allem probieren konnte. Keine Torten mit Schnickschnack, sondern rustikale, schnörkellose Kuchen, die einfach lecker waren. Genau so einer ist dieser hier.
Ein Thüringer Apfelkuchen ist ein runder Mürbeteigkuchen mit dünnen Zimtäpfeln und einem cremigen Guss aus Schmand, Zucker und Eigelb. Das Rezept stammt von Thüringen entdecken, mit denen wir in diesem Jahr zusammengearbeitet haben. Wir haben den Kuchen für sie gebacken und fotografiert, und hier bekommt ihr die ausführliche Fassung mit allem, was wir euch noch mitgeben möchten, damit der Guss sicher fest wird und der Boden schön knusprig bleibt.
Inhaltsverzeichnis
Was macht einen Thüringer Apfelkuchen aus?
In Thüringen hat Kuchen einen besonderen Stellenwert. Die Region ist für ihre Blechkuchen bekannt, die bei Familienfeiern in großer Auswahl auf den Tisch kommen. Typisch ist ein dünner Boden mit kräftigem Belag. Und genau wie bei Oma werden die Stücke dort gern klein geschnitten, damit man sich durch mehrere Sorten probieren kann. Für Obstkuchen nimmt man dort meist Hefeteig, Mürbeteig eher dann, wenn die Füllung fester ist.
Ein echtes Markenzeichen ist der Guss. Eine Decke aus Ei, Sahne oder Schmand und Zucker über dem Obst ist in Thüringen weit verbreitet, in Weimar heißt diese Mischung zum Beispiel „Ditsche“. Unser Thüringer Apfelkuchen nimmt genau diese Idee auf, nur eben rund statt vom Blech. Der Mürbeteig hält den saftigen Äpfeln und dem Schmandguss stand, bleibt am Rand knusprig und lässt sich sauber schneiden. Für eine 26er-Form ist das die praktischere Lösung, und zwölf Stücke reichen locker für eine Kaffeetafel.
Die Zutaten für den Thüringer Apfelkuchen. Darauf kommt es an
Für den Mürbeteig nehmt ihr kalte Butter in kleinen Stücken. Kalte Butter verbindet sich mit dem Mehl, ohne zu schmelzen, und genau das macht den Teig später mürbe statt zäh. Mit weicher Butter wird der Teig klebrig und braucht deutlich länger im Kühlschrank. Beim Mehl reicht ganz normales Weizenmehl Type 405. Dinkelmehl Type 630 klappt ebenfalls, der Teig wird damit aber etwas weicher, kühlt ihn dann lieber ein paar Minuten länger.
Bei den Äpfeln lohnt sich eine säuerliche, aromatische Sorte wie Elstar, Braeburn oder Topaz. Der Guss ist süß, die Säure der Äpfel hält dagegen. Sehr weiche Sorten zerfallen beim Backen eher zu Mus. Weil die Scheiben dünn geschnitten und dicht gelegt werden, reichen zwei bis drei Äpfel, je nach Größe.
Schmand hat rund 24 Prozent Fett und bleibt beim Backen stabil. Saure Sahne hat nur etwa 10 Prozent, der Guss wird damit flüssiger und stockt weniger fest. Crème fraîche funktioniert auch, sie ist mit rund 30 Prozent Fett sogar noch etwas reichhaltiger. Für den Guss nehmt ihr nur das Eigelb. Es bindet den Schmand, macht ihn cremig und sorgt für die schöne goldgelbe Farbe. Das übrige Eiweiß könnt ihr einfrieren und später für Baiser oder Makronen verwenden.
Thüringer Apfelkuchen backen. Schritt für Schritt
Heizt zuerst den Backofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vor. Dann verknetet ihr Butter, Zucker, Ei, Salz und Mehl zügig, aber gründlich zu einem glatten Teig. Zügig heißt, nicht länger kneten als nötig. Sobald keine Butterstückchen mehr zu sehen sind, ist der Teig fertig. Abgedeckt kommt er für 30 Minuten in den Kühlschrank.


In der Zwischenzeit schält, viertelt und entkernt ihr die Äpfel und schneidet sie in dünne Scheiben. Mischt sie mit dem Zimtzucker und lasst sie kurz ziehen. Der Zucker zieht dabei etwas Saft aus den Äpfeln, die Scheiben werden biegsamer und lassen sich leichter in Kreisen legen.

Rollt den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwas größer als die Form aus. Am einfachsten hebt ihr ihn über das Nudelholz in die Form, drückt Boden und Rand gut an und schneidet den Überstand mit einem scharfen Küchenmesser ab. Wie das ganz ohne Zupfen funktioniert, seht ihr im kurzen Video.




Jetzt legt ihr die Apfelscheiben dicht an dicht von außen nach innen ein, wie eine Rosette. Je dichter sie liegen, desto weniger Guss läuft später zwischen den Scheiben bis auf den Boden. Den Saft, der sich beim Ziehen in der Schüssel gesammelt hat, lasst ihr dabei zurück. Dann kommt der Kuchen für 25 Minuten in den Ofen.


Während der Kuchen vorbäckt, verrührt ihr Schmand, Zucker und Eigelb glatt. Nach 25 Minuten zieht ihr das Gitter ein Stück aus dem Ofen, gießt den Guss gleichmäßig über die Äpfel und backt den Kuchen weitere 15 bis 20 Minuten. Fertig ist er, wenn der Guss am Rand gestockt ist und in der Mitte nur noch leicht wackelt. Lasst ihn danach vollständig auskühlen. Der Guss zieht beim Abkühlen nach und wird erst dann richtig schnittfest.


Häufige Fehler beim Thüringer Apfelkuchen und wie ihr sie vermeidet
In rund 15 Jahren Rezeptentwicklung haben wir gelernt, dass es bei Kuchen mit Guss oft die kleinen Dinge sind, die über das Ergebnis entscheiden. Hier sind die Stellen, an denen es beim Thüringer Apfelkuchen am ehesten hakt, jeweils mit der wahrscheinlichsten Ursache und der Lösung.
Der Guss wird nicht fest
Meist war der Kuchen nach dem Gießen noch nicht lange genug im Ofen, oder er wurde zu warm angeschnitten. Backt ihn so lange, bis nur noch die Mitte leicht wackelt, und gebt ihm im Zweifel fünf Minuten mehr. Danach muss er komplett auskühlen, am besten zwei Stunden, gern auch über Nacht im Kühlschrank. Mit saurer Sahne statt Schmand bleibt der Guss grundsätzlich weicher.
Der Boden ist durchgeweicht
Die häufigste Ursache ist zu viel Flüssigkeit, also Apfelsaft aus der Schüssel oder sehr saftige, dick geschnittene Äpfel. Lasst den Saft zurück und schneidet die Scheiben gleichmäßig dünn. Haltet außerdem die 25 Minuten Vorbacken ein, bevor der Guss draufkommt. In Keramikformen kommt die Hitze langsamer am Boden an, dort hilft die untere Schiene. Wer ganz sichergehen will, streut vor dem Belegen einen Esslöffel gemahlene Mandeln oder Semmelbrösel auf den Teig.
Der Mürbeteig reißt oder klebt beim Ausrollen
Reißt der Teig, ist er meist zu kalt. Lasst ihn fünf Minuten bei Zimmertemperatur liegen, dann wird er geschmeidiger. Klebt er, ist die Butter zu warm geworden. Rollt ihn dann zwischen zwei Lagen Backpapier aus oder legt ihn noch einmal kurz in den Kühlschrank. Kleine Risse in der Form drückt ihr einfach mit den Fingern zu, unter Äpfeln und Guss sieht sie niemand.
Der Rand wird zu dunkel, bevor der Guss fest ist
Viele Öfen heizen stärker, als die Anzeige verspricht. Legt in den letzten Minuten locker ein Stück Backpapier oder Alufolie auf den Kuchen, dann kann der Guss in Ruhe stocken, ohne dass der Rand weiter bräunt. Ein Ofenthermometer zeigt euch, ob eure 180 °C wirklich 180 °C sind.
Die Äpfel sind nach dem Backen noch hart
Dann waren die Scheiben zu dick oder die Sorte sehr fest. Schneidet die Äpfel nicht dicker als zwei bis drei Millimeter. Dafür eignet sich ein scharfes Messer oder ein Gemüsehobel. Durch das Vorbacken haben die Äpfel insgesamt 40 bis 45 Minuten im Ofen und werden zuverlässig weich.
Der Guss läuft über den Rand
Das passiert, wenn der Teigrand zu niedrig ist oder die Form kleiner als 26 cm. Zieht den Rand gut zwei bis drei Zentimeter hoch und stellt sicherheitshalber ein Blech oder Backpapier unter die Form, dann bleibt euer Ofen sauber.
Welche Form passt? Tarteform, Springform oder Blech
Das Rezept ist für eine Form mit 26 cm Durchmesser berechnet. Wir haben eine Tarteform aus Keramik mit gewelltem Rand genommen, eine Springform oder eine Tarteform aus Metall funktionieren genauso. In Metallformen bräunt der Boden schneller, in Keramik etwas langsamer, behaltet ihn beim ersten Backen also im Blick. In der Springform zieht ihr den Rand etwa drei Zentimeter hoch, damit der Guss genug Platz hat.
Für eine 28er-Form reicht die Menge noch, Boden und Guss werden aber dünner und der Kuchen ist ein paar Minuten früher fertig. Für eine kleine 20er-Form nehmt ihr ungefähr 60 Prozent der Zutaten. Und wer den Kuchen ganz im Thüringer Stil vom Blech backen möchte, rechnet für ein normales Backblech etwa mit der doppelten Menge und macht den Boden dünn.
Varianten für euren Thüringer Apfelkuchen
Der Kuchen ist bewusst schlicht, lässt sich aber gut abwandeln. Ein Päckchen Vanillezucker oder das Mark einer halben Vanilleschote im Guss macht ihn noch runder, etwas Zitronenabrieb im Teig bringt Frische. Gehobelte Mandeln streut ihr kurz vor Ende der Backzeit auf den Guss, dann werden sie goldbraun, ohne zu verbrennen. Im Spätsommer könnt ihr die Äpfel ganz oder teilweise durch Zwetschgen oder Birnen ersetzen, beim Guss bleibt alles gleich.
Thüringer Apfelkuchen aufbewahren, vorbereiten und einfrieren
Wegen des Schmandgusses gehört der Kuchen in den Kühlschrank. Gut abgedeckt hält er dort zwei bis drei Tage. Nehmt ihn etwa eine halbe Stunde vor dem Servieren heraus, dann schmeckt der Mürbeteig wieder zart. Der Kuchen lässt sich prima am Vortag backen, der Guss ist am nächsten Tag sogar besonders schnittfest. Auch den Mürbeteig könnt ihr einen Tag vorher kneten und in Folie gewickelt kühlen.
Einfrieren funktioniert am besten in Stücken, gut verpackt bis zu drei Monate. Lasst die Stücke langsam im Kühlschrank auftauen. Der Guss wird dabei etwas weicher, geschmacklich verliert der Kuchen aber kaum. Dazu passen eine Kugel Vanilleeis oder frisch geschlagene Sahne.

Zutaten
- 125 g Butter, kalt, in Stückchen geschnitten
- 60 g Zucker
- 1 Ei
- 1 Prise Salz
- 250 g Mehl
- 2-3 Äpfel
- 2-3 EL Zimtzucker
- 125 g Schmand
- 100 g Zucker
- 2 Eigelb
Zubehör
- 1 1 Tarteform (oder Springform) 26 cm Durchmesser
- 1 scharfes Messer
Zubereitung
- Heizt den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vor.

- Verknetet für den Mürbeteig Butter, Zucker, Ei, Salz und Mehl zügig, aber gründlich. Deckt den Teig ab und lasst ihn 30 Minuten im Kühlschrank ruhen.

- Schält in der Zwischenzeit die Äpfel, viertelt und entkernt sie und schneidet sie in dünne Scheiben. Vermischt die Apfelscheiben mit dem Zimtzucker und lasst sie kurz ziehen.

- Rollt den Teig aus und legt die Form damit aus. Zieht einen Rand hoch und schneidet den Überstand mit einem scharfen Küchenmesser ab.

- Belegt den Teig dicht mit den Apfelscheiben und backt den Kuchen 25 Minuten bei 180 °C Ober-/Unterhitze.

- Verrührt während der Backzeit Schmand, Zucker und Eigelb. Gießt den Guss nach 25 Minuten Backzeit über den Apfelkuchen.

- Backt den Kuchen weitere 15 bis 20 Minuten. Nehmt ihn anschließend aus dem Ofen und lasst ihn vor dem Servieren auskühlen.

Nährwerte
Tipps
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Fragen zum Thüringer Apfelkuchen
Kann ich saure Sahne statt Schmand nehmen?
Ja, aber rechnet mit einem weicheren Guss. Saure Sahne hat weniger Fett und stockt nicht so fest wie Schmand. Nehmt sie am besten nur, wenn ihr den Kuchen gut auskühlen lassen könnt, oder greift zu Crème fraîche.
Muss ich den Boden blind backen?
Nein. Der Kuchen wird mit den Äpfeln 25 Minuten vorgebacken, bevor der Guss draufkommt. Das reicht, damit der Mürbeteig fest wird und nicht durchweicht.
Kann ich den Thüringer Apfelkuchen am Vortag backen?
Unbedingt. Über Nacht im Kühlschrank wird der Schmandguss sogar besonders schnittfest. Nehmt den Kuchen etwa 30 Minuten vor dem Servieren heraus.
Warum kommt nur Eigelb in den Guss?
Das Eigelb bindet den Schmand und macht den Guss cremig und goldgelb. Eiweiß würde ihn eher fest und leicht gummiartig machen. Das übrige Eiweiß könnt ihr einfrieren.
Geht das Rezept auch in der Springform?
Ja, eine Springform mit 26 cm Durchmesser funktioniert genauso. Zieht den Teigrand etwa drei Zentimeter hoch, damit der Guss Platz hat.
Schmeckt der Kuchen auch warm?
Lauwarm schmeckt er herrlich, vor allem mit Vanilleeis. Der Guss ist dann aber noch weich. Wenn ihr saubere Stücke möchtet, lasst ihn ganz auskühlen.
Jetzt seid ihr dran!
Backt ihr euren Apfelkuchen lieber rund oder ganz klassisch vom Blech? Und kennt ihr Thüringer Kuchen vielleicht noch von Familienfeiern? Schreibt es uns in die Kommentare und lasst uns gern eine Bewertung da. Wenn ihr den Thüringer Apfelkuchen nachbackt, markiert uns auf Instagram mit @diejungskochenundbacken, wir freuen uns riesig über eure Bilder!
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Autor

Sascha
Fotograf, Zocker & Süßigkeiten-FanSascha sorgt für Bilder, Videos und eine gute Portion Kreativität auf dem Blog. Wenn er nicht fotografiert, findet man ihn beim Zocken oder beim Sport, um sich seine Liebe zu Süßem zu verdienen.






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